Eifel Graveller 2019 – Tag Drei

by Benni

Ich kann nicht wirklich behaupten, ich hätte geschlafen. Es war mehr so ein unruhiges Ruhen. Mein ganzer Kreislauf ist derartig aktiviert, dass an Tiefschlaf nicht zu denken ist. Die Aufregung tut ihr übriges.

Als der Wecker um 2.45 Uhr klingelt, bleibe ich trotzdem für 15 weitere Minuten liegen. Der Wärme spendende Schlafsack ist einfach zu verführerisch.

Danach richte ich mich endlich auf. Schnell sind Isomatte und Schlafsack verstaut. Auf in den Tag! Es sind noch knapp 200 Kilometer bis zum Ziel. Guido hat hoffentlich auch etwas geruht, vielleicht schläft er sogar noch.

Durch die Nacht

Das Wetter hat sich in den letzten zwei Stunden nicht geändert. Immer noch liegt eine dicke Nebeldecke über der Westeifel. Ich sehe kaum bis zum nächsten Baum. Stück für Stück taste ich mich voran und folge dem Lichtkegel meiner Lampe.

Um 4 erreiche ich die Oleftalsperre, hinter ihrer Staumauer schließt sich Hellenthal an. Hier gibt‘s viel Industrie, die vermutlich von der Wasserkraft profitiert. Sie ist hell erleuchtet und gibt ein konstantes, nächtliches Brummen von sich. Menschen sehe ich aber keine.

Das ist schon ein besonderes Gefühl, die Zivilisation bei Nacht zu bereisen! Man passiert Orte, die eigentlich bewohnt und lebendig aussehen, in der Nacht aber von aller Welt verlassen erscheinen. Ich fühle mich wie der letzte Überlebende der Spezies „Mensch“, der nur überlebt hat, weil er nicht vom Fahrrad abgestiegen ist.

Die Jagd eines Schlafenden

Wobei – einen anderen meiner Art müsste es mindestens noch geben. Dieser sollte nur wenige Kilometer vor mir fahren. Aber fährt er überhaupt? In Hellenthal habe ich Netz, blicke zum ersten Mal seit Stunden auf den Ticker.

Er fährt noch nicht! Und ich bin nur gut 10 Kilometer hinter ihm. Also weiter, so schnell wie möglich! Wenn Guido noch eine weitere Stunde schläft, hole ich ihn ein.

Auf den nächsten Kilometern greife ich immer wieder zum Smartphone und aktualisiere die Follow My Challenge-Seite. Guidos Punkt ruht bei Kilometer 483, ich stehe bei 470.

Hinter Hellenthal geht es mal wieder bergauf. 471… Die Kilometer fallen nur langsam. 472… Immerhin geht es an einem Fluss entlang und regelmäßig bergauf. 473… 474…

Als ich vom Flusstal abbiege, ist es gerade 5 Uhr. Die Sonne lässt ihren Aufgang bereits erahnen, indem sie damit beginnt, den Himmel orange zu färben. Spätestens mit dem ersten Sonnenlicht wird sich auch Gudio wieder bewegen, da bin ich mir sicher.

481… 482… 483. Jetzt sind wir auf gleicher Höhe. Ich erreiche eine Anhöhe, komme an einem Sendemast vorbei. Liegt Guido hier? Vorsichtig richte ich meine Stirnlampe auf den Zaun, der den Sendemast umgibt. Nichts zu sehen. Ich fahre weiter.

Zwischenstand auf Follow My Challenge

Wasser vom Bauern

Die nächsten Kilometer geht‘s bergab nach Dahlem. Erst im Ort greife ich erneut zum Smartphone. Tatsächlich, Guido bewegt sich wieder. Er muss, kurz bevor ich seinen Schlafplatz erreicht habe, auf‘s Rad gesprungen sein.

Es ist 6 Uhr, ich brauche Wasser. Immerhin sitze ich schon wieder seit drei Stunden auf dem Rad. Im Ort ist allerdings noch alles still, nur aus einigen Häusern dringt bereits Licht. Soll ich an einem der Häuser klingeln? Nein, lieber nicht. Das würde die Bewohner zu sehr erschrecken. Außerdem kostet es zu viel Zeit.

Ich verlasse Dahlem wieder. Da, ein Bauernhof! Sehr gut, die Bauern sind früh auf, der Kuhstall ist hell erleuchtet. Ich betrete eine Halle mit geschätzt hundert Kühen, irgendwo dazwischen steht der Bauer. Ich winke ihm mit den Flaschen zu und hoffe, er versteht: Ich will keine Milch, sondern nur Wasser.

Er versteht – also zumindest, dass ich nur Wasser will. Aber wieso ich zu dieser frühen Stunde mit dem Fahrrad vor seinem Hof erscheine, versteht er dann doch nicht.

„Wohin wollen sie?“, fragt er ungläubig.

„Nach Klotten“, gebe ich wie selbstverständlich zur Antwort.

Scheint ihm nichts zu sagen.

Ich dachte ja, als Einheimischer kennt man die gesamte Eifel. Aber vielleicht sind wir auch einfach noch zu weit weg von dem Ort, den ich heute Nachmittag erreichen will?

Egal. Ich lasse ihn wieder die Kühe melken und verstaue meine Sachen. Wo ich gerade stehe, reichere ich das Wasser mit Maltodextrin an. Zudem trinke ich eine Flasche Fresubin und schiebe eine Salztablette hinterher – für später, es soll wieder heiß werden.

Was für ein Panorama!

Weiter geht‘s. Blick auf den Ticker: Guido ist zwei Kilometer vorne. Aber irgendwann wird er auch mal anhalten müssen. Also weiter.

Der Track führt auf knapp 600 Meter und eine Art Hochplateau hinauf. Unter mir erstreckt sich die Eifel mit ihren vielen kleinen Erhebungen. Dazwischen ruhen Nebelbänke, dahinter geht die Sonne auf. Was für ein Panorama! Ich habe keine Zeit, anzuhalten, mache nur ein verwackeltes Bild während des Fahrens.

Aber was soll‘s, das Entscheidende sind die Bilder im Kopf. Was für ein reich beschenkter Mensch ich doch bin! Ob ich nun als Schnellster oder Zweitschnellster in Klotten ankomme – dass ich überhaupt als gesunder Mensch auf dem Rad sitzen und soetwas sehen darf, sollte genügen.

Morgendliches Panorama

Die Eifel fordert einiges

In Ripsdorf gibt es erneut eine Track-Kreuzung. Hier war ich gestern Mittag zusammen mit Olaf. Dieser ist mittlerweile ausgestiegen, musste sich gestern Abend, nachdem er einen Salat gegessen hatte, übergeben.

Schade! Mit ihm haben bereits mehr als die Hälfte der Fahrer aufgegeben, auch Daniel. Die Eifel fordert so einiges. Ken Kölzer, mit dem ich am ersten Tag unterwegs war, hatte kurze Zeit, nachdem wir uns getrennt haben, eine Reifenpanne und hat später auch aufgegeben.

Hinter Guido und mir klafft mittlerweile eine riesige Lücke. Die nächsten Fahrer – Tom Sap, Jan Claes und Robert Werkhoven, ein Benelux-Trio also – sind gerade erst an der Rurtalsperre, weit mehr als 150 Kilometer zurück. Sie werden erst morgen nach Klotten kommen.

Höchste Spannung

Die nächsten Stunden und Kilometer sind nicht sonderlich anspruchsvoll. Es geht zwar weiter auf und ab, das aber meist auf Schotter, manchmal sogar auf Asphalt. Dafür bleibt der Ausblick malerisch.

Und auch die Spannung könnte nicht größer sein. Etwa alle 15 Minuten greife ich zum Handy. Mal ist Guido drei Kilometer vor mir, dann wieder nur einen. Wenn die Sicht besonders gut ist, versuche ich ihn in der Ferne zu erspähen. Da drüben muss er doch irgendwo sein! Ein jedes Mal macht mein Herz einen aufgeregten Sprung – werde ich ihn gleich sehen?

Ich muss an die Leute denken, die die Geschehnisse auf Follow My Challenge verfolgen. Vermutlich fiebern viele live mit, sind genauso gespannt wie ich, ob ich Guido gleich einhole. Endlich mal ein spannendes Finale, in dem nicht Christian Beyer mit 150 Kilometern Vorsprung ins Ziel rauscht – so muss ich mir laut lachend denken. Und ich bin Teil davon, genial!

Zwischenstand auf Follow My Challenge

Überholmanöver am Nürburgring

Um 9 Uhr erreiche ich ein weiteres Highlight der Strecke, den Nürburgring. Ich bin zwar kein Motorsportfan, aber trotzdem beeindruckt von der ganzen Infrastruktur, auf die man hier trifft. Es rollen gerade auch Sportwagen über den Ring. Welche Rennklasse sie repräsentieren, weiß ich nicht, in jedem Fall machen sie mächtig Lärm.

Der Nürburgring

Als ich auf einen Trail abbiege, der genau entlang der Nordschleife führt, sehe ich nicht nur jene Motorwagen, sondern auch… Guido! Etwa 100 Meter vor mir strampelt er sich einen kleinen Anstieg hinauf. Eine Kurve, ich verliere ihn wieder aus den Augen. Aber nach ein paar weiteren Windungen erreiche ich ihn endlich.

„Morgen“, grüße ich ihn.

„Morgen“, antwortet er, „wie geht‘s?“

„Sehr gut, und dir?“, frage ich ihn.

„Auch gut, es ist nur sehr warm.“ Er wirkt müde. Ich sehe aber vermutlich nicht besser aus.

„Ja stimmt, und jetzt wird‘s erst richtig warm“, gebe ich zurück.

Wir hätten Gesprächsstoff für mehrere Stunden. Jetzt fallen uns aber nur basale Floskeln ein. Außerdem sind wir auf unwegsamem Gelände unterwegs. Guido erzählt mir noch, dass er gestern Nacht keinen Empfang hatte, nicht wusste, ob ich anhalten werde. Habe ich mir doch gedacht!

Dann biegen wir auf einen Singletrail ab. Ich lasse Guido vorfahren, er hat die bessere Technik. Zu dumm, dass gerade jetzt so ein anspruchsvoller Trail kommen muss! Es geht über viele Wurzeln und steile Abhänge hinab. Links neben uns taucht immer wieder die Rennstrecke auf. Das wäre natürlich was: Am Nürburgring zu einem Überholmanöver ansetzen. Aber gerade hier sprechen die Bedingungen dagegen.

Wasser vom Fahrradladen

Ich versuche mich wieder, auf mich zu fokussieren. Immerhin war ich gerade mit Guido auf gleicher Höhe, 100 Kilometer vor dem Ziel. Jetzt einfach weiter mein Tempo fahren, vielleicht ist noch mehr drin.

Hinter dem langen Trailabschnitt komme ich nach Adenau. Hier gibt‘s drei Supermärkte, es ist eine der letzten Gelegenheiten, nochmals aufzutanken. Ich brauche zwar kein Essen, aber wieder Wasser. Vielleicht macht Guido Halt, um im Supermarkt einzukaufen?

Ich entscheide mich kurzerhand dagegen, für Wasser in einen Supermarkt zu gehen, steuere stattdessen ein Fahrradgeschäft an, das direkt neben den Supermärkten liegt – hier geht‘s hoffentlich schneller. Ein Verkäufer steht gerade vor der Tür.

„Guten Morgen. Dürfe ich bei ihnen meine Flaschen auffüllen?“, frage ich und versuche, nicht zu gehetzt zu wirken.

„Macht fünf Euro pro Flasche“, scherzt der Verkäufer. Normalerweise mag ich ja solche Späße und antworte mit einem verbalen Konter. Doch jetzt fehlt mir die Kraft und Geduld dazu. Ich lache verkrampft und sage nichts.

Glücklicherweise sagt auch er nichts weiter, nimmt die Flaschen und geht in den Laden. Der ist ziemlich groß. Ich warte. Wo bleibt er nur? Sind die Toiletten im Keller ganz hinten? Er kommt und kommt nicht. Ist Guido noch in einem der Supermärkte oder schon über alle Berge?

Dann endlich, der Verkäufer erscheint mit den vollen Flaschen. Ich bedanke mich und schwinge mich wieder auf‘s Rad.

Die Hohe Acht

Hinter Adenau waretet der höchte Berg der Strecke und der gesamten Eifel, die Hohe Acht. Der Anstieg dahin ist nicht nur lang, sondern auch ordentlich steil. Bis kurz vor dem Gipfel fahre ich zwar alles, komme mir aber ultra langsam dabei vor. Ich zwinge mich während des Hinaufstrampelns dazu, nicht zum Smartphone zu greifen, um erneut den Ticker zu studieren. Jetzt einfach nur auf mich schauen, möglichst gleichmäßig fahren…

Die letzten Meter geht es steil eine Sackgasse hinauf zu einem Turm. Als ich oben ankomme, zücke ich mein Handy, mache ein Foto und rolle wieder hinab. Neben dem Turm sitzt eine Familie. Kurz vor mir muss Guido hier gewesen sein. Ich bin jetzt also der Zweite, der sich hier hochkämpft, nicht einmal vom Fahrrad steigt und direkt wieder hinabfährt. Was die Familie sich wohl über uns denkt?

Kaiser-Wilhelm-Turm auf der Hohen Acht

Hitzeleiden

Ich bin in jedem Fall mit mir selbst beschäftigt. Mit der zunehmenden Hitze geht mein Leistungsvermögen nach unten. Erneut kann ich nichts essen.

Kurz nach der Hohen Acht komme ich zu einem Aussichtspunkt. In der Ferne sehe ich Monreal. Dort war ich vor vielen Jahren wandern, der Ort ist wunderschön. Zumindest bis dahin fährst du jetzt, so sage ich mir selber. Dann gönnst du dir eine Pause.

Der Track führt allerdings alles andere als direkt nach Monreal. Stattdessen biegt er auf den Wanderweg Traumpfade ab, genau den Weg, dem ich vor Jahren zu Fuß gefolgt bin. Über Stock und Stein geht‘s viele Höhenmeter hinauf. Dann endlich erreiche ich das Nitzbachtal. Hier ist es wieder einfacher zu fahren. Aber mein Körper will nicht.

Ich erreiche ein Dorf und lege mich auf eine Bank. Zehn Minuten Powernap.

Weiter. Vor Monreal gilt es nochmals, 200 Höhenmeter zu überwinden. Durch den kurzen Schlaf geht das allerdings einfach.

Bäckerstopp

Als ich Monreal erreiche, ist Guido zehn Kilometer vor mir. Wahnsinn. Unsere kurze Begegnung hat ihn wahrscheinlich aufgeweckt, er muss über die Hohe Acht geflogen sein. Wenn er das Tempo jetzt durchhält, dann kommt er verdient als Erster nach Klotten.

Mit diesem Gedanken fällt auf einmal eine Last von mir ab. Derartig befreit rolle ich in die Ortsmitte der schönen Eifelstadt und biege zu einem Café ab. „Einen Kaffee hätte ich gerne – und zwei belegte Brötchen mit Schinken, bitte.“ Richtiges Essen! Super.

Nach diesem letzten Boxenstopp fährt es sich wieder einfacher. Es war richtig, zu stoppen. Falls ich durchgefahren wäre, wäre ich auf den letzten Kilometern eingegangen. Guido ist mir nun gut 15 Kilometer voraus. Er wird nichts mehr anbrennen lassen. Gut so, er ist ganz stark gefahren, gerade zum Schluss!

Die Altstadt von Monreal

Eine harte Schlussetappe

Nicht allzu argwöhnisch nehme ich die letzten 60 Kilometer in Angriff. Das Höhenprofil sagt nur noch kleinere Anstiege voraus. Wie immer beim Bikepacking gilt jedoch: Es ist erst zu Ende, wenn du am Ziel bist.

Doch ich war vorgewarnt: Holger hatte gestern, als wir uns kurz unterhalten hatten, angedeutet, dass er sich für die letzten 30 Kilometer nochmals „was Schönes ausgedacht“ hatte. Was er damit meinte, stelle ich jetzt fest: Es geht im Pommerbachtal auf einem anspruchsvollen Trail entlang.

Es folgt ein Abschnitt auf Asphalt, bevor es zur Burg Pyrmont und von dort zum Fluss Elz hinabgeht. Dieser kleine Abschnitt fordert einen besonders mental: Eine kleine Sackgasse führt einen etwa 50 Höhenmeter hinab zu einem Wasserfall – Holger wollte wirklich kein Highlight auslassen. Unten angekommen, dreht man sich um und schiebt den ganzen Weg wieder hinauf.

Aber was soll‘s – die Mosel ist jetzt nur noch knapp zehn Kilometer entfernt. Ich eile optimistisch weiter – und lande erneut in einem Flusstal. Wie viele gibt‘s davon eigentlich in der Eifel? Dass der kleine Wanderweg am Fluss nur äußerst selten von jemandem genutzt wird, erkennt man an den vielen Brennnesseln am Wegesrand. Alle paar Minuten streife ich welche. Als ob meine Beine noch nicht genug mitgemacht hätten!

Zielspurt an der Mosel

Alles halb so wild. Am Ende des Tals wartet die Mosel. Es ist 17 Uhr. Jetzt sind es nur noch sieben Kilometer nach Klotten.

Den letzten Abschnitt an der Mosel kenne ich bereits. Ich bin ihn vor drei Tage gefahren, um an den Start nach Klotten zu kommen. Dabei habe ich mir vorgestellt, wie ich in ein paar Tagen – idealerweise schon am Dienstag – erneut hier entlang fahren würde. Jetzt ist es Dienstag. Ich bin tatsächlich hier, gesund und relativ munter.

Auf der Aerobar liegend lese ich ein paar WhatsApp- und Facebook-Nachrichten. Viele Leute gratulieren mir. In den kommenden Tagen werde ich einige Stunden mit dem Antworten beschäftigt sein.

Dann erreiche ich Klotten. Schon aus der Ferne erkenne ich Holger. Er ist mit der Kamera bewaffnet und filmt meine Ankunft. Geschafft! Holger nimmt mich in den Arm.

Auch Guido ist da! Er hat bereits geduscht. Wir klatschen ab. Dann beginnen wir zu sprechen, haben uns einiges zu erzählen. Ob man, war das ein harter Kampf zum Schluss! Ich habe Guido wohl so richtig unter Druck gesetzt. Morgens früh um 5 wollte er eigentlich noch etwas essen. Dann hat er jedoch gesehen, dass ich nur zwei Kilometer hinter ihm bin. Er ist losgestürmt und hat es bis zum Ziel nicht geschafft, sein Frühstück zu essen.

Abklatschen mit Guido

Gastfreundschaft und gute Gemeinschaft

Es gibt noch einiges zu erzählen. Zuvor springe ich aber in die Mosel. Ich überlasse ihr ganz viel Dreck und Salz.

Dann gehen wir zusammen zu Holger nach Hause. Dieser meint doch tatsächlich, dass ich bei ihm duschen, Wäsche waschen, essen und übernachten kann! Genial, der Typ. Noch dazu bietet er das nicht nur Guido und mir, sondern allen Fahrern an – ob sie die 650 Kilometer zurückgelegt haben, oder nicht! Man merkt, dass Holger jemand ist, der selbst schon oft an solch einem Bikepacking-Event teilgenommen hat.

Später gehen wir zum Italiener Pizza essen. Mit dabei sind unter anderen auch Bernd Rücker und Dirk-Jan Scheffers. Wir verbringen einen äußerst geselligen Abend.

Geselligkeit unter Bikepackern

Bei all dem werde ich erneut daran erinnert, was solche Bikepacking-Events wirklich ausmacht: Ob man nun Schnellster oder Zweitschnellster war oder überhaupt den ganzen Kurzs gefahren und am Ziel angekommen ist – letztendlich sitzen doch alle am selben Tisch und genießen die Gemeinschaft.

Materialschau

Am nächsten Morgen setzen wir uns nach einem ausgiebigen Frühstück erneut auf den Parkplatz, der das Ziel des Eifel Gravellers bildet und warten auf Robert Werhoven. Guido hat hier seinen VW-Bus geparkt. Während wir so warten, holt er einen nach dem anderen Gegenstand hervor, berichtet darüber, was er alles dabei hatte und im Bus gelassen hat.

Warten auf Robert

Das bringt auch mich zum Nachdenken: Was hat mich der Eifel Graveller gelehrt? Was würde ich mitnehmen, was zu Hause lassen? Die Entscheidung für einen Schlaf- und gegen einen Biwaksack war in jedem Fall goldrichtig. Auch sonst hatte ich trotz dem äußerst gewichtsfokussierten Packen alles dabei, was ich brauchte.

Die Ernährung mit Fresubin und Maltodextrin hat sich ebenfalls bewährt. Beim nächsten Mal würde ich nur die vielen zusätzlichen Riegel zu Hause lassen und stattdessen ein paar Schinkenbrötchen mitnehmen.

Wäre mehr gegangen?

Und sonst so? Natürlich bin ich überglücklich über meine Leistung. Aber der Wettkampftyp in mir fragt sich, ob noch mehr gegangen wäre. Hätte ich von Beginn an offensivere Ziele festlegen und Guido schon am zweiten Tag jagen sollen? Oder war gerade meine entspannte Haltung bis zur letzten Nacht der Schlüssel zur guten Leistung? Hätte ich die Nacht doch durchfahren und dafür in der Mittagshitze eine Stunde schlafen sollen? Um Antworten darauf zu finden, müsste ich nochmals bei solch einem Event an den Start gehen.

Wird es aber überhaupt ein nächstes Mal geben? Ich erinnere mich, dass ich auf den letzten Kilometern mehrmals sehr deutlich zu mir selber gesagt habe: Nie wieder – zumindest vorerst! Schon kurz nach der Zieleinfahrt konnte mich allerdings nur noch schwer daran erinnern, habe mit Holger und Guido bereits über zukünftige Fahrten nachgedacht.

Es bleibt bei meinem Fazit, dass ich bereits im abschließenden Bericht zur BTG formuliert habe: Solche Veranstaltungen und besonders das wettkampfmäßige Bestreiten dieser macht süchtig. Ich will mich allerdings nicht nur über solche Leistungen definieren, mich zu sehr in diesem Sport verlieren. Nächstes Jahr im Frühjahr werde ich mir gut überlegen, was ich immer Sommer und meinem Urlaub so machen werde…

Abschied

Nach all der Materialschau und Reflexion erreicht Robert Klotten. Wir beglückwünschen ihn und machen zu dritt ein Foto.

Die drei Schnellsten

Dann schnappe ich mir mein Rad und meine sieben Sachen und steige in den Zug nach Hause. Vor dem Event hatte ich darüber nachgedacht, mit dem Rad auch nach Hause zu fahren. Doch die Sehnsucht nach Familie und meinem Zimmer überwiegt, ich steige glücklich und zufrieden in den Zug.

Auf nach Hause

Danke Guido für den tollen Schlussspurt!
Danke Holger und das gesamte Team für dieses harte, aber super organisierte Event!

Mehr Beiträge

1 Kommentar

Gerhardt September 14, 2019 - 21:31

Dd haat Post.

Antwort

Kommentiere diesen Beitrag